MAGEN ASPEKTE - Kompetenzzentrum für Magenerkrankungen

MAGEN ASPEKTE

Erkrankungen des Verdauungssystems

Magen und Darmerkrankungen sind weit verbreitet. Allein 30 bis 40 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Sodbrennen und saurem Aufstoßen. Medikamente gegen Magen- und Darmprobleme gehören daher zu den am häufigsten benötigten Arzneimitteln.

Signifikante Steigerungen der Magen-DarmerkrankungenViele Betroffene nehmen ihre Beschwerden allerdings nicht ernst und versuchen, die Leiden auf eigene Faust in den Griff zu bekommen. Das kann sich jedoch als ein gefährliches Unterfangen erweisen: Selbst das scheinbar so harmlose Sodbrennen könnte ein Vorbote der Refluxkrankheit sein, die unbehandelt bei jedem zehnten Betroffenen zu einer Entzündung der Speiseröhre führt. In einem von zehn Fällen kommt es daraufhin zu einem krankhaften Umbau der Speiseröhrenschleimhaut, woraufhin wiederum jeder zehnte einen Speiseröhrenkrebs entwickelt. Die Speiseröhre versucht nämlich der Verätzung durch den sauren Mageninhalt – dem Kennzeichen der Refluxkrankheit – "Herr zu werden" indem sie Ihre Schleimhaut in eine magenwandähnliche (also säurebeständige) Schleimhaut umwandelt. Leider gelingt ihr das nicht wirklich. Es entsteht keine funktionsfähige Magenschleimhaut sondern nur eine schlechte Kopie. Diese "Kopie" neigt dazu, zu entarten. Krebs kann entstehen. Selbst bei einer solch scheinbaren Bagatelle wie dem "brennenden Herzen"* sollte also immer ein Arzt konsultiert werden. Obwohl sich "Rezepte" zur Herstellung von Magen-Darm-Pulvern allerorts in den Illustrierten finden, ist er immer der bessere Heilkundige. Und außerdem – wer sich auf den Weg macht, um 20 Gramm gepulverte Süßholzwurzel, 10 Gramm gebrannte Magnesia, 2 ½ Gramm Wismutgallat und 5 Tropfen Fenchelöl (die Zutaten eines "gängigen" Magen-Darm-Pulvers) zu besorgen, sollte auch die Zeit haben, seinen Hausarzt aufzusuchen.

(*hier ist nicht etwa die entflammte Leidenschaft für den gewissen "Jemand", sondern der "Volksmund" für das Wort Sodbrennen gemeint).

Die Refluxkrankheit

Von einer Refluxkrankheit spricht man, wenn der Inhalt aus dem Magen wieder in die Speiseröhre zurückfließt. Die Ursache dafür ist nicht immer bekannt. In den meisten Fällen liegt es an einem mangelnden Verschluss der Speiseröhre am Mageneingang. Die "Einbahnstraße Speiseröhre" wird dann sozusagen von der falschen Seite befahren. Während andere Krankheiten des Magens – z.B. die Magengeschwüre – immer seltener werden, befindet sich die Refluxkrankheit unablässig auf dem Vormarsch. In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Zahl der Betroffenen mehr als versiebenfacht. Man geht davon aus, dass inzwischen fast die Hälfte aller Deutschen davon betroffen ist. Das Hauptmerkmal der Refluxkrankheit ist das Sodbrennen, über das wir bereits in unserer Januarausgabe berichtet hatten. Es entsteht durch die ätzende Salzsäure aus dem Magen. Wir erinnern uns, dass die Magensäure äußerst aggressiv ist. Ein Eisennagel würde sich innerhalb von zwanzig Minuten darin auflösen! (Trotzdem sollten Sie lieber keine Eisennägel verschlucken).

Das Gewebe der Speiseröhre ist sehr empfindlich und – anders als die Magenschleimhaut – überhaupt nicht gegen die Säure geschützt. Deshalb kann der aufsteigende saure Mageninhalt zu wirklich schweren Verätzungen und schmerzhaften Entzündungen führen. Hinzu kommt, dass viele Refluxkranke einen besonders sauren Magensaft haben. Ob eine Refluxkrankheit vorliegt, kann der Arzt relativ leicht erkennen. Um deren Schweregrad festzustellen, muss in manchen Fällen eine Spiegelung der Speiseröhre und des Magens erfolgen. Wir werden über diese Untersuchungsmethode in einer unserer späteren Ausgaben noch ausführlicher berichten. Soviel sei aber schon verraten: Es lohnt nicht, Angst davor zu haben. "Schwappt" die Säure allerdings Tag für Tag in die Speiseröhre, ist das schon ein Grund zur Sorge! Die Speiseröhre kann sich entzünden – der Arzt spricht dann von einer Refluxösophagitis. Dieses Wort lässt sich leicht merken, denn es ist aus dem lateinischen Begriffen für "Speiseröhre" (Ösophagus) und "Zurückfließen" (Reflux) sowie der Endung –itis, die meist einen entzündlichen Prozess kennzeichnet, zusammengesetzt. Wir wissen bereits, dass die Entzündung der Speiseröhre ein Vorbote für den Speiseröhrenkrebs sein kann.

10% aller Refluxpatienten haben eine Entzündung der Speisenröhrenschleimhaut 10% aller Patienten mit Schleimhautentzündung entwickeln bleibende Schleimhautveränderungen 10% aller Patienten mit Schleimhautveränderungen erkranken an Speisenröhrenkrebs

So gesehen ist Sodbrennen oftmals das einzige Warnsignal für diese gefährliche Entwicklung. Dabei sagt die Stärke des Sodbrennens leider nur sehr wenig darüber aus, wie stark die Speiseröhre bereits geschädigt ist. Manche Menschen leiden an Sodbrennen, ohne später einmal ernsthafte Folgen zu verspüren, andere wiederum haben nur sehr leichte Beschwerden und gehören schließlich doch zu den zehn Prozent, die sich auf den Krebs zu bewegen. Schon heute sterben mehr Menschen am Speiseröhrenkrebs, als an AIDS – und trotzdem haben neun von zehn Bundesbürgern noch nie etwas über das Vorläuferstadium "Refluxkrankheit" gehört! Da Sie nun nicht mehr zu dieser Gruppe der Unbedarften gehören, werden Sie im "Fall der Fälle" sicherlich Ihren Arzt aufsuchen! Nur er kann die Beschwerden richtig einordnen und weiterreichende Untersuchungen veranlassen. Wenn Sie lediglich hin und wieder – beispielsweise nach einem opulenten Essen – Sodbrennen haben und sich nicht sicher sind, ob ein Gang zum Arzt wirklich die richtige Entscheidung ist, dann hilft Ihnen vielleicht der nachfolgende 8-Punkte Test:

Test Alarmzeichen Sodbrennen

1. Haben Sie mehrmals im Monat Sodbrennen oder spüren Sie ein Brennen im Hals?
2. Wachen Sie nachts manchmal mit Sodbrennen auf?
3. Bekommen Sie beim Sport oder bei Anstrengungen Sodbrennen?
4. Bemerken Sie öfter - beispielsweise nach dem Essen ein saures Aufstoßen?

Wenn Sie einmal oder mehrmals mit "Ja" geantwortet haben, dann beantworten Sie bitte noch die folgenden vier Fragen:

5. Haben Sie mehr als zweimal pro Woche Sodbrennen oder wachen Sie nachts immer wieder damit auf?
6. Spüren Sie ab und zu oder regelmäßig Schmerzen hinter dem Brustbein, die bis in den Rücken ausstrahlen können?
7. Verzichten Sie auf bestimmte Speisen oder Getränke aus Angst vor Sodbrennen?
8. Nehmen Sie regelmäßig Medikamente aus der Apotheke gegen Sodbrennen ein?

Sollten Sie mehrere der hier gestellten Fragen mit "Ja" beantworten müssen, dann zeigen Sie Ihrem Arzt den ausgefüllten Fragebogen. Verfallen Sie jedoch nicht in Panik. Heutzutage stehen hochwirksame Medikamente zur Verfügung, die eine verlässliche Behandlung des Sodbrennens ermöglichen und bei rechtzeitiger Anwendung die gefürchteten Folgen vermeiden helfen. Stellt der Arzt tatsächlich eine Refluxkrankheit fest, wird Ihnen in aller Regel ein Medikament zur Verminderung der Magensäure verschrieben. Erfahrungsgemäß heilt eine geschädigte Speiseröhrenschleimhaut nämlich innerhalb weniger Wochen ab, wenn keine weitere Säurebelastung mehr auftritt. Aus diesem Grunde greifen die Ärzte meist auch sofort zu den heute wirksamsten Säurehemmern, den "Protonenpumpenblockern". Die modernsten ihrer Art wirken 24 Stunden lang. Daher reicht meist eine vierwöchige Behandlung aus. Lassen die Beschwerden dann nach und zeigt sich ein Heilerfolg, wird die Dosis reduziert oder auf ein schwächer wirkendes Medikament ausgewichen. Sollten Sie in der Arztpraxis einmal den Begriff "step-down-Therapie" hören, ist genau dieses Vorgehen gemeint. In der Märzausgabe werden wir einige Wirkstoffe detailliert vorstellen, so dass Sie einen guten Überblick über die möglichen Behandlungsoptionen erhalten.

Was können Sie zusätzlich tun, um die Refluxkrankheit zu bekämpfen?

Wenn Sie leicht Sodbrennen bekommen, sollten Kartoffeln besonders oft auf Ihrem Speiseplan stehen. Streichen Sie dafür lieber Nudeln oder Knödel. (Natürlich sind damit nicht die fetttriefenden Pommes frites gemeint, die nicht nur die Schleimhäute der Speiseröhre und des Magens, sondern auch die Galle und die Leber ziemlich reizen.) Quark und Pellkartoffeln sind wahrlich kein "Armeleuteessen", sondern eine leckere und magenfreundliche Schonkost. Sie können in die Magerstufe ja noch etwas Milch hineinrühren, um den Quark schön sämig zu machen, auf Muskat sollten Sie allerdings verzichten. Nehmen Sie tagsüber eher mehrere kleine Mahlzeiten ein, statt einer opulenten großen. Vermeiden Sie fette Speisen, Alkohol und Nikotin. Sie könnten das Sodbrennen begünstigen. Steht eine Feier bevor, auf der Sie Sekt trinken müssen, ist es sinnvoll, vorher ein geeignetes säurehemmendes Medikament einzunehmen. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt. Genießen Sie dann die Feier - sie hilft Stress abzubauen. Stress ist ein häufiger Auslöser von Sodbrennen. Ein regelmäßiger und entspannter Tagesablauf wirkt sich hingegen auf alle Magen-Darm-Erkrankungen positiv aus. Dabei heißt Regelmäßigkeit keineswegs "Bewegungslosigkeit".

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FAQ's: Sodbrennen

Was bedeutet es, wenn sauer schmeckender Speisebrei wieder "heraufkommt"?

Antwort: Entweder liegt eine harmlose vorübergehende Störung vor oder der "Reflux" ist durch einen ungenügenden Verschluss des unteren Speiseröhrenmuskels verursacht. Wenn sich die Beschwerden öfter wiederholen, liegt eine Refluxkrankheit vor. Der Rückfluss des sauren Magensaftes kann dann die Speiseröhre schädigen, zu schmerzhaften Entzündungen oder sogar Speiseröhrenkrebs führen. Typisches Symptom für die Refluxkrankheit ist das Sodbrennen.
 
 


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Frau mit Verdauungsproblemen

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