|
|||||||||||||||||||||
Refluxkrankheit nimmt immer mehr zu GERD (Gastro Esophageale Reflux Disease) im Aufwind
Fast jeder zweite Deutsche leidet am Sodbrennen. Treten die Beschwerden nur gelegentlich auf, muss man sich in der Regel keine allzu großen Sorgen machen. Manchmal kann sich hinter dem Sodbrennen jedoch auch die "Refluxkrankheit" verbergen. In Anlehnung an ihre englische Bezeichnung (Gastro Esophageale Reflux Disease) wird sie oft einfach GERD genannt. Aus der Mai-Ausgabe wissen wir nur zu gut, dass GERD gefährlich ist und behandelt werden muss: Der andauernde "Reflux" von saurem Magensaft in die Speiseröhre verätzt deren empfindliche Schleimhaut, führt zur Speiseröhrenentzündung und kann dem Speiseröhrenkrebs Vorschub leisten. Trotz der schwerwiegenden Folgen, die mit GERD einhergehen können, wird die Erkrankung noch immer unterschätzt. Durchschnittlich 87 Wochen (!)vergehen bis ein vom Sodbrennen Betroffener den Arzt konsultiert. Vielleicht ist das eine der Ursachen, die dazu führten, dass sich die Refluxkrankheit in den letzten Jahren so rasant ausbreiten konnte: Die Refluxkrankheit nimmt immer mehr zu Die Refluxkrankheit erfordert eine wirksame Bekämpfung der Magensäure. Nur so kann der Verätzung der Speiseröhre vorgebeugt und bereits bestehenden Läsionen die Möglichkeit gegeben werden, wieder auszuheilen. Antazida reichen hier in der Regel nicht aus. Sie neutralisieren die vorhandene Magensäure nur kurzzeitig und verursachen später sogar eine "kompensatorische" Mehrproduktion. Auch die unseren Lesern sicherlich bekannten H2-Blocker sind keine ausreichende Alternative. Zwar wird eine der drei Befehlsketten zur Säureproduktion unterbrochen und damit die Säureherstellung vermindert, die beiden anderen arbeiten jedoch weiter auf Hochtouren. Eine langandauernde und starke Säurehemmung ist nur mit den Protonenpumpenblockern zu bewerkstelligen. Sie schalten gewissermaßen das zentrale Element der Säureproduktion, die Protonenpumpe, in den dafür verantwortlichen Zellen der Magenwand einfach aus. Die Säureproduktion kann dann zu 99 Prozent unterbunden werden. Innovative TablettenDie Heilung der Refluxkrankheit, aber auch die Vermeidung von Sodbrennen gelingen umso besser, je stärker die Magensäure gehemmt werden kann. Ohne Zweifel haben Protonenpumpenhemmer hier sprichwörtlich die "Nase vorn". Die bloße Substanz bekämpft aber noch lange keine Krankheit. Der heilende Wirkstoff muss einerseits in eine geeignete Form "gepackt" werden, die unser Körper aufnehmen kann und andererseits an die richtige Stelle im Organismus gebracht werden. Protonenpumpenblocker wirken, anders als zum Beispiel Antazida, nicht direkt im Magen. Sie müssen erst unbeschadet in den Darm gelangen, wo sie von der Darmwand resorbiert und über den Blutkreislauf zu den säureproduzierenden Belegzellen in der Magenwand geleitet werden. Sie sind in diesem Lichte ein sehr anschauliches Beispiel für die im Sprachgebrauch oft bemühte Metapher "von hinten durch die kalte Küche".Leider sind ausnahmslos alle Protonenpumpenblocker sehr empfindlich. Protonenpumpenblocker die direkt in den Magen entleert werden, sind nicht nur nutzlos, weil sie die Säureproduktionszentren nicht erreichen, sondern sie könnten sogar zerstört werden. Für den Protonenpumpenblocker Esomeprazol hat man sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um dieser Gefahr Herr zu werden. Es ist die so genannte MUPS-Tablette. MUPS steht für die Abkürzung der englischen Bezeichnung Multiple Unit Pellet Systeme. MUPS bestehen aus einer Tablette, die mit einem wasserlöslichen Lackfilm umhüllt ist und ca. 1.000 kleine "Mikropellets" enthält. Diese Mikropellets sind ihrerseits mit einem säurefesten Schutzüberzug versehen und beherbergen schließlich den Protonenpumpenblocker. Die äußere Tablette (in unserem Bild rot) löst sich nach dem Kontakt mit Flüssigkeit im Magen innerhalb weniger Sekunden auf und gibt die magensaftresistenten Mikropellets frei, die aufgrund ihrer geringen Größe unverzüglich in den Darm gelangen. Dort herrschen vollkommen andere Verhältnisse als im Magen. Der Darm ist nicht mehr "sauer", sondern neutral bis basisch. Die Schutzschicht der Mikropellets ist nun so konstruiert, dass sie sich gerade in diesem Milieu unverzüglich auflöst und das Esomeprazol freisetzt. Hier kann die Substanz unbeschadet von der Darmschleimhaut aufgenommen werden und seine Reise zu den Belegzellen des Magens antreten. Der kleine UnterschiedBis vor wenigen Jahren waren Protonenpumpenblocker in Deutschland lediglich als so genannte "Razemate" verfügbar. Darunter versteht man Mischungen zweier sich spiegelbildlich zueinander verhaltender Molekülsorten. Die meisten Aminosäuren, Aromastoffe und viele Arzneimittel treten in zwei verschiedenen Formen auf, die sich wie Bild und Spiegelbild zu einander verhalten. In Anlehnung an ihr unterschiedliches physikalisches Verhalten bei der Durchleuchtung spricht man von "optischen Isomeren". Derartige optische Isomere sind tatsächlich zwei unterschiedliche Moleküle und lassen sich genauso wenig miteinander zur Deckung bringen wie die die linke und die rechte Hand. Obwohl sich Isomere immer sehr stark ähneln, entfalten sie meist völlig unterschiedliche Eigenschaften. Bei Limonen duftet ein Isomeres zum Beispiel nach Zitrone, das andere jedoch nach Orangen. Auch Protonenpumpenblocker bestehen aus Bild und Spiegelbild. Ihr säurehemmender Effekt ist jedoch zum größten Teil auf nur eine Form der optischen Isomeren zurückzuführen. Das rot gekennzeichnete Molekül hemmt die Säureproduktion um 91 Prozent, das graue lediglich um 25 Prozent. Es ist beinahe so wie mit zwei spiegelbildlichen Korkenziehern: Nur der linke ist auch wirklich zu gebrauchen. Mit dem rechten wird man vergebens versuchen eine Flasche zu öffnen: Es liegt auf der Hand, dass man nur jenes Spiegelbild-Isomer verwenden sollte, das auch tatsächlich für die heilsame Wirkung eines Arzneimittels verantwortlich ist. Leider lassen sich Isomere nur sehr schwer voneinander trennen. Deshalb gehört die isolierte Herstellung des rot gekennzeichneten Moleküls (Esomeprazol) zu den Paradebeispielen wissenschaftlichen Fortschritts. Im Vergleich zum herkömmlichen Gemisch aus Bild und Spiegelbild erzielt Esomeprazol wesentlich bessere Heilungsraten bei der Refluxkrankheit. Bereits am ersten Tag einer Behandlung mit Esomeprazol ist fast jeder zweite Patient, der an Sodbrennen leidet, beschwerdefrei. |
Fast jeder zweite Deutsche leidet am Sodbrennen. Treten die Beschwerden nur gelegentlich auf, muss man sich in der Regel keine allzu großen Sorgen machen. Manchmal kann sich hinter dem Sodbrennen jedoch auch die "Refluxkrankheit" verbergen.
|
||||||||||||||||||||