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GERD: Gastro Esophagealen Reflux Disease - die Refluxkrankheit! Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir haben nichts gegen GERD, genauso wenig wie wir etwa MONICA oder den ägyptischen Gottheiten OSIRIS und ISIS den Erfolg missgönnen würden. Die letzten drei sind einfallsreiche Abkürzungen für komplizierte Bezeichnungen bestimmter wissenschaftlicher Studien auf dem Gebiete der Medizin. Die Wissenschaftler geben sich heutzutage große Mühe, für ihre Forschungsprojekte einprägsame Namen zu finden. Solche "Kosenamen" erleichtern den Fachleuten weniger die Kommunikation, sondern widerspiegeln vielmehr das große Engagement dieser Menschen für die Forschung im Dienste der Gesundheit und sind Ausdruck der Liebe zu ihrer Arbeit. Den Namen GERD wird man jedoch vergebens im "Who is Who" der Akronyme für durchgeführte Forschungsprojekte suchen – und doch hat er einen engen Bezug zur Medizin. GERD ist die Abkürzung für den englischen Begriff Gastro Esophagealen Reflux Disease, was man gewöhnlich mit "Refluxkrankheit" ins Deutsche übersetzt. Jeder Gastroenterologe (Facharzt für Magen- und Darm-Erkrankungen) runzelt die Stirn, wenn er an GERD denkt. Nicht, das ihm die Diagnose schwer fallen würde oder er Probleme hätte, die Krankheit richtig zu behandeln. Vielmehr bereitet es ihm Sorge, dass sich GERD so rasant ausbreitet und doch von den Betroffenen so wenig erst genommen wird. Diese Sorge ist durchaus berechtigt: GERD ist gefährlich und muss behandelt werden (insofern haben wir nicht ganz die Wahrheit gesagt – wir haben doch etwas gegen GERD!). Sie werden vielleicht einwenden, dass Sie selbst bislang noch nie etwas von GERD gehört haben, das Ganze deshalb wohl doch nicht so schlimm sein kann und die übereifrigen Journalisten hier möglicherweise wieder nur versuchen, das berüchtigte Sommerloch mit Schreckensnachrichten zu füllen. Sie werden Ihre Ansicht vermutlich schnell ändern, wenn Sie hören, dass das Leitsymptom dieser Erkrankung "Sodbrennen" heißt.
Die MagensäureSalzsäurebehälter werden Sie auf offener Straße kaum antreffen. Sie sind stets gut weggeschlossen und dürfen nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen transportiert werden. Immer müssen sie mit Warnhinweisen, wie "Vorsicht! Stark ätzend", "Giftig" oder "Gesundheitsschädigend" versehen sein. Nur selten führen wir uns diese Tatsache vor Augen, obwohl wir tagtäglich mit einem knappen Liter dieses Gefahrgutes durch die Gegend laufen. Bereits aus der Januarausgabe wissen wir, dass unser Magen ein höllisches Salzsäurebad beherbergt. Der Magensaft hat einen pH-Wert von etwa 2 (das bedeutet sehr sauer). Er lässt nicht nur von den meisten Bakterien oder Parasiten kaum etwas übrig, sondern zerfrisst sogar Metall. Unsere Mai-Ausgabe zeigt eine Rasierklinge, die sich sprudelnd in der Magensäure des Menschen auflöst! Nur unserer besonders konstruierten Magenschleimhaut haben wir es zu verdanken, dass wir selbst keinen Schaden durch die Salzsäure nehmen. Diese Schleimhaut ist stark alkalisch und puffert die Säure sozusagen ab. Interessanterweise ist die Produktion des schützenden Magenschleims biochemisch sehr eng mit der Säureproduktion selbst verknüpft.Während der Magen also völlig sorglos sein kann, was die Gefährlichkeit der für den Verdauungsprozess unabdingbaren Salzsäure betrifft, gilt dies keinesfalls für den "nachfolgenden Dünndarm" und schon gar nicht für die "vorgelagerte Speiseröhre". Ihre Zellen haben keinen so komfortablen Säureschutz. Der ist normalerweise auch völlig unnötig, denn die Magensäure befindet sich ja ausschließlich im Magen und sonst nirgendwo. Gelangt Salzsäure mit der Nahrung in den Dünndarm, wird sie schnell durch die dort vorhandenen Verdauungssäfte unschädlich gemacht. Die Gefahr ist dann gebannt und der Dünndarm wird nicht verätzt. Die Speiseröhre ist da wesentlich schlechter dran. Ihr einzig wirklicher Schutz vor der Magensäure ist eine ordnungsgemäße Richtung des Nahrungsflusses. Vom Magen selbst ist die Speiseröhre durch eine Art Muskelverschluss "getrennt". Mit jedem Schluck öffnet sich dieser Verschluss etwas, lässt die Speise passieren und verengt sich dann wieder. Dieser Mechanismus ist zwar sehr einfach, funktioniert aber meist zuverlässig. Selbst im Handstand "kleckert" unsere Nahrung bekanntlich nicht wieder heraus. Wird diese Einbahnstraße im übertragenen Sinne jedoch falsch befahren, fließt also saurer Mageninhalt ständig in die Speiseröhre zurück, dann spricht man von einer Refluxkrankheit (Reflux = Rückfluss). Die Refluxkrankheit kann mehrere unterschiedliche Ursachen haben. Sie hat aber immer eine gemeinsame Folge: Eine gefährliche Verätzung der Speiseröhre. Auf Dauer verursacht dies Schleimhautschäden, die nicht nur Schmerzen hervorrufen können, sondern bei jedem zehnten Patienten zu einer Entzündung der Speiseröhre führen. Bei wiederum jedem zehnten kommt es daraufhin zu einem Umbau der Speiseröhrenschleimhaut, die nun versucht, sich in eine säurebeständige, magenwandähnliche Schleimhaut umzuwandeln. Natürlich gelingt ihr das nicht wirklich. Die entstandene schlechte Kopie schadet mehr, als sie nützt. Der Arzt bezeichnet eine solche "falsche" Schleimhaut manchmal als CELLO (ähnlich GERD eine Abkürzung für die exakte medizinische Bezeichnung der krankhaften Schleimhaut). In zehn Prozent aller Fälle entartet CELLO sogar zum gefürchteten Speiseröhrenkrebs. Heutzutage sterben an diesem Krebs mehr Menschen als an AIDS. Neueste Untersuchungen offenbarten, dass zwischen 30 und 40 Millionen Bundesbürger an GERD-verdächtigen Symptomen leiden! Das Hauptsymptom der Refluxkrankheit ist dabei das Sodbrennen. Später können sich Schluckbeschwerden bemerkbar machen. Steigt die Säure zu hoch, werden winzige Säurepartikel vom Luftstrom im Rachenbereich mitgerissen und bleiben dann am Kehlkopf hängen. Selbst Heiserkeit, Husten und manchmal sogar Asthma können daher die Folge sein.
modifiziert nach W. Rösch / A.L. Blum, 1995 Wie kommt es zum Sodbrennen?Ein gelegentlich kurzfristiger Rückfluss von Nahrungsbrei in die Speiseröhre ist normal, die häufige und längerdauernde Säureeinwirkung aufgrund eines ausgeprägten Refluxes jedoch krankhaft. Der Arzt spricht von der Refluxkrankheit, wenn der pH-Wert im unteren Teil der Speiseröhre für mehr als eine Stunde am Tag unter 4 fällt. Wir brauchen uns um dieses Kriterium jedoch nicht weiter kümmern. In Anbetracht der Gefahr, die mit einer Refluxkrankheit einhergeht, sollte jeder, der vermehrt an Sodbrennen leidet, einen Arzt aufsuchen und sich auf das eventuelle Vorliegen einer Refluxkrankheit untersuchen lassen. Sodbrennen kann immer auch Refluxkrankheit bedeuten, Refluxkrankheit bedeutet mit Sicherheit auch Sodbrennen. Sodbrennen kann also der Vorbote des Speiseröhrenkrebses sein. Wir wollen uns abschließend kurz überlegen, wie es zum Sodbrennen kommt: Vereinfacht gesehen zerstört der in die Speiseröhre zurückfließende Magensaft nicht nur die Schleimhautzellen selbst, sondern schädigt auch die Zellverbindungen der darunter liegenden Zellen. Dadurch weiten sich die Zellzwischenräume und die Säure erreicht die tiefer liegenden Schichten, in denen auch Nervenendigungen liegen, die dann das Schmerzsignal "Sodbrennen" an unser Gehirn melden.
Wie alles im Leben, hat aber auch das Sodbrennen eine schlechte und eine gute Seite. Einerseits wird es durch den aggressiven Magensaft verursacht und kann Ausdruck einer wirklich ernst zu nehmenden Erkrankung sein, andererseits warnt uns das Sodbrennen über den Schmerz vor der Refluxkrankheit und "beschleunigt " in gewissem Sinne den Gang zum Arzt und den Beginn einer heilenden Behandlung. Was kann man gegen das Sodbrennen und die Refluxkrankheit unternehmenHat der Arzt eine Refluxkrankheit diagnostiziert, wird er unverzüglich eine geeignete Therapie einleiten. Es liegt auf der Hand, dass die Verminderung der Säure eine zentrale Rolle bei der Behandlung spielen wird, denn sie führte ja schließlich zur Speiseröhrenschädigung. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass eine frühzeitig begonnene wirksame Säurehemmung in den allermeisten Fällen zu einer guten Ausheilung der Refluxbeschwerden führt. Protonenpumpenblocker sind bekanntlich die stärksten Säurehemmer. Der Wirkstoff Esomeprazol ist deren modernster Vertreter (an dieser Stelle gewinnt, das vorherige Geständnis, wir hätten etwas gegen GERD, eine positive Wendung ?). Das Esomeprazol ist bereits in der April-Ausgabe ausführlich vorgestellt worden. War die konsequente Medikamenteneinnahme erfolgreich, sollte der Betroffene später einige Regeln beachten, um erneute Beschwerden – vor allem das Sodbrennen – gar nicht erst aufkommen zu lassen. Speisen, die den "Muskelverschluss" der Speiseröhre vor dem Magen ungünstig beeinflussen, sollten nach Möglichkeit gemieden werden. Dazu gehören vor allem Süßspeisen, Kuchen, Schokolade, sehr fettreiche Kost sowie Alkohol und Pfefferminze. Zudem ist es ratsam, auf Zitrusfrüchte, Obstsäfte und scharf gewürzte Speisen solange zu verzichten, bis die Refluxbeschwerden abgeklungen sind. Diese Nahrungsmittel reizen nämlich die entzündete Speiseröhrenschleimhaut zusätzlich. Natürlich gilt es auch, keine zu üppigen Mahlzeiten einzunehmen oder zu stark einengende Kleidung zu tragen, da beides den Druck auf den Magen verstärken und einen Reflux dadurch begünstigen kann. Auch der Abbau eines bestehenden Übergewichts (sieben von zehn Patienten mit Sodbrennen sind übergewichtig) vermindert den Druck auf den Magen. Selbstverständlich sollen Substanzen, die die Magensäureproduktion zusätzlich ankurbeln, generell vermieden werden. Exzessiver Kaffeekonsum und vor allem das ohnehin schädliche Zigarettenrauchen gehören ebenso dazu, wie unnötige Aufregung, Stress und andauernder Ärger. Auch das so genannte "Betthupferl" – die Süßigkeit vor dem Schlafengehen – kurbelt die (nächtliche) Säureproduktion an und sollte deshalb vermieden werden. |
Wenn die Speiseröhre brennt
GERD ist die Abkürzung für den englischen Begriff Gastro Esophagealen Reflux Disease, was man gewöhnlich mit "Refluxkrankheit" ins Deutsche übersetzt. Jeder Gastroenterologe (Facharzt für Magen- und Darm-Erkrankungen) runzelt die Stirn, wenn er an GERD denkt.
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