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Gastro Esophageale Reflux Disease - Refluxkrankheit Leider können viele Menschen mit diesem Begriff, hinter dem sich die englische Bezeichnung Gastro Esophageale Reflux Disease verbirgt, nicht allzu viel anfangen. Nur acht Prozent aller Deutschen haben die Bezeichnung überhaupt schon einmal gehört. Gerade 'mal vier Prozent würden daher das bei der Refluxkrankheit auftretende typische Brennen hinter dem Brustbein auch korrekt als Sodbrennen identifizieren. Ein Viertel der Befragten meinten dagegen, es handle sich in diesem Fall um Herzbeschwerden! Unter dem Aspekt, dass fast jeder zweite Deutsche zumindest zeitweise unter Sodbrennen leidet, wiegt dieses Wissensmanko besonders schwer.
Wir wissen nur zu gut, dass ein Übermaß an Magensäure die Ursache des Sodbrennens ist. Sie haben auch eine Vorstellung davon, wie der Arzt am besten dagegen vorgeht. Der Begriff der Protonenpumpenblocker ist ihnen in diesem Zusammenhang in guter Erinnerung. Diese Substanzen hemmen die Säureproduktion am Ort ihres Entstehens. Heute wollen wir uns die "Sache mit der Magensäure" und die Vorgänge um die Protonenpumpe noch einmal detaillierter vor Augen führen. Keine Spur von RomantikJeder Erwachsene nimmt durchschnittlich eine Tonne Nahrungsmittel pro Jahr zu sich. Diese gewaltige Menge erfreut unseren Gaumen zwar mit jeder Mahlzeit auf ganz unterschiedliche Weise – 'mal als raffiniert zubereitetes Dinner, 'mal als schnell "auf die Hand" gegebener Döner – dennoch werden jegliche Speisen letztlich auf ganz unromantische Weise in die selben Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette zerlegt.![]() Ein Sechstel des Körpergewichts eines Menschen sind Eiweiße. Sie bilden den Hauptbestandteil der Muskeln und inneren Organe. Kohlenhydrate sind nichts anderes als lange Zuckerketten, die in den Körperzellen unseres Organismus' biochemisch "verbrannt" werden und die erforderliche Energie zum Leben bereitstellen. Fette dienen einerseits als "Material" für den Aufbau von Strukturen, wie z.B. der Zellmembran, andererseits aber auch als Energiespeicher. Die Aufspaltung der Nahrungsmittel in diese Bestandteile wäre ohne Säure nicht denkbar. Zum "Aufschließen" der Speisen ist sogar eine besonders starke Säure erforderlich. Mit etwas Zitronensaft wäre es hier bei weitem nicht getan. Sind wir alle Rechtsbrecher?Mutter Natur hatte sich entschlossen, der Salzsäure als einer der stärksten Säuren überhaupt, einen besonders wichtigen Platz beim Zerlegen der Nahrung in seine Bestandteile einzuräumen. Nachdem man über viele Jahrhunderte die unterschiedlichsten Vermutungen über das Wesen der Verdauung angestellt hatte und sogar eine Art Verwesung der Speisen in unserem Magen als Erklärung für die Verdauungsprozesse in Erwägung zog, erkannte William Prout im Jahre 1824 die Salzsäure (HCl) als wichtigstes "Prinzip" in unserem Magen.Salzsäure ist hochaggressiv. Wollte man einen Liter davon in eine Flasche füllen, würde man sich eine Schutzbrille aufsetzen, Gummihandschuhe anziehen und die ganze Prozedur unter einem gut arbeitenden Laborabzug bewerkstelligen. Der Transport dieser Flasche durch die Stadt fiele nach den gesetzlichen Bestimmungen sogar unter die Kategorie "Gefahrgut-Transport". In ein Flugzeug dürfte man damit zum Beispiel auf gar keinen Fall einsteigen. Und dennoch verletzt jeder Flugpassagier diese Bestimmung unbewusst jedes Mal, wenn es heißt: "Ready for boarding": In seinem Magen werden täglich zwei bis drei Liter salzsäurehaltigen Magensafts produziert… Das Säurebad im Magen ist für uns lebenswichtig. Salzsäure hat einen pH-Wert von etwa 2. Das bedeutet "sehr sauer" und ist für nahezu alle Bakterien, die wir mit der Nahrung aufnehmen, tödlich. Selbst Rasierklingen können dem Magensaft nicht standhalten: Salzsäure sterilisiert jedoch nicht nur den Nahrungsbrei, das saure Milieu schafft auch günstige Bedingungen für die Arbeit des wichtigsten Verdauungsenzyms, des Pepsins. Gemeinsam gelingt es beiden, Eiweiße in kleinere Bestandteile zu spalten. Kontrolle ist allesEs liegt auf der Hand, dass der Organismus einen verlässlichen Schutz vor der ätzenden Säure geschaffen haben muss – andernfalls würden wir uns ja gewissermaßen "vom Magen her" selbst auflösen. Die Kontrolle der Salzsäure ist jedoch kompliziert. Die Magenwand darf mit der aggressiven Flüssigkeit eigentlich nicht in Kontakt kommen, um nicht selbst verdaut zu werden oder schmerzhafte Defekte, die Magengeschwüre, entstehen zu lassen. Sie hat sich deshalb durch eine dicke Schleimschicht geschützt, die stark alkalisch ist und die Säurestärke um sechs pH-Einheiten – d. h. auf den neutralen pH-Wert des klaren Wassers von 7 – abpuffert: Die Schleimproduktion findet in den so genannten Nebenzellen der Magenwand statt. Sie ist eng an die Säureproduktion gekoppelt, die ihrerseits in genannten Belegzellen vonstatten geht. Die Säureproduktion in den Belegzellen ist ein komplexes biochemisches Reaktionsgeschehen, in deren Ergebnis Wasser (H2O) und Kohlendioxid (CO2) zu Wasserstoff-Ionen (H+) und Bikarbonat (HCO3-) umgewandelt werden. Das Bicarbonat gelangt in die Venen und "wandert" mit dem Blutstrom zu den Nebenzellen, in denen unter dem Einfluss von Prostaglandinen der die Magenwand schützende Schleim hergestellt wird. Die Wasserstoff-Ionen (Protonen) werden im Rahmen einer komplizierten enzymatischen Reaktion aus der Belegzelle in den Magen geschleust. Wissenschaftler, die es sich zu Eigen gemacht hatten, die manchmal recht verworrenen biochemischen Abläufe durch an den Alltag angelehnte Metaphern sinnfälliger zu machen, gaben diesem Reaktionsabschnitt den Namen "Protonenpumpe" () . Protonen sind das, was die Säure eigentlich ausmacht. Nicht von Ungefähr gilt ja auch der pH-Wert, der ein Kürzel des französischen pouvoir hydrogène ("Wasserstoffkraft”) ist, als das Maß für die Stärke einer Säure. Die Belegzellen nehmen zudem noch Chlor-Ionen (Cl-) aus dem Blutstrom auf und reichen sie im übertragenen Sinne an den Magen weiter. Wir erinnern uns: H+ und Cl- ist HCl, also Salzsäure… |
PROTONENPUMPEN-
BLOCKER
Die Wirkstoffe finden eine breite Anwendung bei der Bekämpfung von Sodbrennen und der Refluxkrankheit. Sie vermögen das Risiko einer Speiseröhren- entzündung zu minimieren und beugen damit der Entstehung des Speiseröhrenkrebses vor. Der Arzt verschreibt sie zur Bekämpfung von Magengeschwüren und sogar bei einer weit verbreiteten Infektion, der Helicobacteriose.
Wer mit dem Bakterium Helicobacter pylori infiziert ist, beherbergt nicht nur einen besonders unwillkommenen Gast in seinem Magen, sondern ist auch der Gefahr von Zwölffingerdarm- Geschwüren ausgesetzt.
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